Die Kunst ist die Schwester der Mystik

Manuela Mordhorst Malerei

 

Unter Intuition verstehen wir im allgemeinen Gedanken oder Eingaben, die auf unserem Unterbewusstsein beruhen und ohne Nachdenken zustande kommen. In der intuitiven Malerei fühlt sich Manuela Mordhorst heimisch. “Alle Kreativität kommt aus einem Urgrund, der mit Rationalität nichts mehr zu tun hat. Die Kunst ist die Schwester der Mystik, das was ich plötzlich intuitiv begreife und in ein Bild oder eine Musik bringe”, sagt der Benediktinerpater und Zen-Meister Willigis Jäger. Manuela Mordhorsts intuitive Malerei bietet dem Betrachter die Möglichkeit die innere und äußere Welt anders und tiefer wahrzunehmen und zu erfahren. 

 

Die Künstlerin hat die Idee verinnerlicht, dem Betrachter nicht vorzugeben, was er zu sehen hat, vielmehr ihn auf sich selbst zurück zu führen, um sich aus dem Raum der Verpflichtungen zur Rationalität zu entfernen. Die Kompositionen können von allen Seiten betrachtet werden, da die Bildgliederung ein organisches Ganzes bildet. Die Bildfläche öffnet sich so in vielfältige Lesarten und Interpretationsrichtungen, sie gerät in Bewegung. Das Auge beginnt sich auf die sich gegenseitig aufladenden Farbfelder zu konzentrieren. Farbe, Licht und Schwingung sind die wesentlichen Elemente in der Malerei von Manuela Mordhorst. Ihre Bilder sind keine Landschaften im klassischen Sinne, weder mit einer lesbaren Perspektive oder eindeutig gesetzten Gegenständen, vielmehr können sie als mikro- oder makroskopische Ausschnitte gelesen werden.

 

Der Prozess der Formwerdung aus der Intuition heraus ist gleichsam die Bildaussage. Indem die Künstlerin nur bedingt eingreift, der nicht-rationalen Gestaltung, als auch dem Zufall und dem spezifischen Verhalten des Materials Raum lässt, kommen in den Bildern Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten zum Ausdruck, die in Ursystemen der Natur ihre Parallelen haben - in der Zerstörung und der erneuten Formwerdung, im Wachstum und der Veränderung.

 

Manuela Mordhorst, die 1970 geboren wurde, lebt und arbeitet in der Idylle der malerischen Nordheide, unweit von Hamburg. Mit der Zeit professionalisierte sie sich in den künstlerischen Techniken und beschäftigte sich mit philosophischen Modellen. Wo liegen die Grenzen der Umsetzung von der Idee zum endgültigen Bild? Wie können sich Farbe und Form entwickeln, ohne, dass man nur einem vorgefertigten Plan folgt oder die Arbeit beliebig wird?

 

Mit diesen und vielen anderen Fragen zwischen Intuition und Ratio hat Manuela Mordhorst sich in ihrer Malerei auseinandergesetzt. Ihre Kunst entsteht nicht nach einem vorgefertigten Plan, sondern während der Arbeit, also im Malprozess.  Doch die Künstlerin lässt das Material auch selber arbeiten. So ist die Farbe nicht nur Mittel zur Gestaltung, sondern auch eine eigendynamische Kraft. Ihre Materialität bestimmt wesentlich mit, was auf der Leinwand zu sehen ist. In ihrer formalen wie psychologischen Dimension dokumentieren die Bilder ein organisches Ganzes, eine Hommage an das Leben.

 

Dr. Barbara Aust-Wegemund, Kunsthistorikerin, Hamburg, November 2015


Malerei von Manuela Mordhorst

 

Angesichts des rasanten Fortschritts der neuen Medien, die es heute erlauben,  dass  virtuelle Welten nahezu gleichberechtigt neben der realen Welt stehen, mag man sich fragen, ob es nicht paradox ist, dass die individuelle Kunstäußerung des Menschen weiterhin für viele Zeitgenossen faszinierend geblieben ist; vielleicht ist das so, weil die Kunst eines der letzten Refugien des ungezügelten, nicht bis ins letzte berechenbaren, aus den Tiefen seines Wesens heraus  schaffenden Menschen ist.  Aus dieser Quelle speist sich ganz offensichtlich auch Manuela Mordhorsts  Malerei.

 

Was sofort ins Auge fällt: sie setzt entschieden auf die Wirkungsmacht der Farbe. Ihre abstrakten Kompositionen entstehen in einem Malprozeß, in dem die Intuition eine entscheidende Rolle spielt – man könnte behaupten, am gelungendsten sind sie dort, wo sie, dem organischen Wachstum der Natur gleichend, sich aus sich selbst heraus eigengesetzlich entwickeln. Solche Bilder scheinen sich selbst zu malen – der Künstler ist dann bloß Werkzeug... Das hat durchaus eine spirituelle Dimension. Dass Manuela Mordhorst sich auf diesem künstlerischen Weg auch dem Thema MANDALA genähert hat, scheint folgerichtig. Das Mandala als “imago mundi” verstanden, wird so zum Instrument der Meditation.

 

Monika Spiller, Kunsthistorikerin, Überlingen, Februar 2016


Dynamik der Farbfelder

oder

Begegnung mit dem Ich

 

Manuela Morhorst, Bild 1 aus der Werkserie "Sommerstrukturen", 7/2015, Acrylmischtechnik auf Marmormehl-Sumpfkalk, Pigmenten, Beizen, Hartwachs, Format 62cm x 92cm x 2,5cm, (c) Manuela Mordhorst

Die Augen erfassen die Bildfläche. Sie wandern von unten nach oben. Sie nehmen den warmen gebrannten Umbraton im unteren Bildteil wahr und das strahlende Gelb-Orange darüber, weiter die getrübten Töne aus Sepiabraun mit wellenartigen Wiederholungen der warmen Erdfarbe vom unteren Bildrand und das Gelb-Orange mit Konturen eines dunklen Brauntons, das sich nach oben von den pastellfarbenen, stark aufgehellten Umbratons hart abgrenzt. Oberflächlich ruhig angelegte, waagerechte Farbschichten sind zu erkennen, aufplatzende, dürstende Oberflächen, ebenso verschiedene Farbnuancen, die nach oben in die verblasste Farbschicht streben. Die Dynamik der Farbfelder entsteht aus dem Qualitätskontrast der Farben sowie durch die belebten Farbstrukturen. Hier das Aufplatzen der Oberfläche durch den pastosen Farbauftrag und als Folge des gewählten Materials, farbliche Pointierungen und die immer wieder übereinander gelegten Ebenen von Farbschichten.

Und, ich habe es noch nicht bemerkt, es beginnt fast gleich zu Beginn das Wechselspiel aus Wahrnehmung und Erinnerung. Die Wirkung der Farben begleitet mich, während die Augen noch über die Bildoberfläche wandern. Die Erinnerung an den Aufbruch eines Sommers steigt in mir auf, wie die Farben in dem Bild. Die tiefe Verbundenheit der Erdenergie, die mit der Wärme und der Heiterkeit der Sonne nach oben dringt, um die Verkrustungen eines Winters zu durchbrechen. Die Dynamik der Farbfelder gleicht einem Aufruf in eine belebende Epoche, die die Verkrustungen der Gefühle und Erinnerungen und gewohnten Lebensstrukturen aufzubrechen versucht. Was immer ich als Betrachter sehe, es ist die Begegnung mit dem Ich.

 

Hildegard Willenbring, Kunsthistorikerin, Berlin, Januar 2016


Energie der Mitte
Oder
Das Selbst in der Stille
 

Der erste Blick nimmt die Formen und Farben wahr. Der gelbe Kreis in der Bildmitte umzogen von einem weißen Ring und dem auslaufenden Goldgrund. Vom gelben Kreisrand züngeln sich Linien wie Strahlen aus dem Bildfeld hinaus. Die Farben greifen die der großen Farbfelder auf, Gelb, Weiß und Gold. Die Textur des gelben Kreises lässt Steine erkennen, deren kreisförmige Anordnung leicht neben der
Kreismitte beginnt, also nicht zentrisch im Kreis beginnen. Die bewegten Linien sind tief in den Farbuntergrund gezogen und scheinen sich von der Energie der Mitte nach außen zu bewegen.
Sofort erinnert das Bild an eine wärmende Sonne, an ein Licht. Dann, sich einlassend auf die Form, richtet sich der Blick ganz weich auf die Mitte und bleibt dort für eine ganze Weile. Es ist dieses Kribbeln zu spüren, diese Energie, die zu erspüren ist
durch die Kraft der Linien. Noch ist alles auf die Form konzentriert. Die wellenförmigen Linien scheinen irgendwann im Körper zu fließen, durchspülen den Kopf, die Arme, den Bauch, die Beine und das Herz. Wie von einer positiven Welle erfasst, zerfließen die Formen. Nur noch dieses helle Goldgelb ist noch da, das sich ausbreitet im eigenen Körper. Ganz leicht steigt ein zuversichtliches Gefühl auf,
dieser noch leichte nebulöse Mut zum Selbst. Das Gefühl durchzieht den Körper mit einer Woge und bleibt im eigenen Kern. Dieser Wirkung nachspürend erfährt man dann eine wunderbare Stille. Ganz bewusst erkennt man dann das Selbst. Das Selbst in der Stille.

 

Hildegard Willenbring, Kunsthistorikerin, Berlin, Februar 2016